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BLOG: Stadtmacher und -macherinnen: Die neue Vielfalt intermediärer Stadtentwicklungsakteure


Foto Menschen in der Innenstadt
© M Cindy/Fotolia

Stadtmacher – hinter diesem Begriff steckt eine zunehmende Vielfalt von Einzelpersonen und Initiativen, die Einfluss auf stadtplanerische Entscheidungen und Gestaltungsprozesse im Sozialraum nehmen. Sie sind aktiv Gestaltende, die ihr "Projekt" verfolgen und zugleich Mittler zwischen Bürgern und Bürgerinnen, Politik, Verwaltung und Wirtschaft sind. Bürgerplattformen, Stadtteilinitiativen, Urban-Gardening-Aktivisten und Aktivistinnen gehören zu diesem Akteursspektrum ebenso wie Bildungsinitiativen im Quartier und neue Migrantenorganisationen mit einem ausdrücklichen Beteiligungsanspruch. Aber auch die zahlreichen Refugees-Welcome-Initiativen verfolgen einen gesellschaftlichen Gestaltungsanspruch: Indem sie alternative, gemeinsame Wohnprojekte von Menschen mit unterschiedlichem Bürgerschaftsstatus initiieren und neue Beteiligungsformen für Geflüchtete erproben, arbeiten sie auf eine veränderte soziale Position von Geflüchteten hin.

Für eine vielfältige Demokratie bedeuten die Stadtmacher und -macherinnen eine große Chance: Sie bringen neue Ideen in die Gestaltung von Stadt ein und mobilisieren Unterstützung hierfür. Im günstigen Fall leisten sie damit einen wichtigen Beitrag zur Vitalisierung der lokalen Demokratie. Aus Sicht der traditionellen, repräsentativen Instanzen des politischen Systems aber werden die Abstimmungs- und Kommunikationsprozesse zwischen Verwaltung und Bürgerschaft durch diese neuen Akteure komplexer und nicht unbedingt einfacher.

Aktivitäten und Vernetzungen der Stadtmacher sollen in einer qualitativen Studie untersucht werden. Im Mittelpunkt steht Berlin: Die Hauptstadt erlebt gegenwärtig eine enorme Zuwanderung. Verdichtungsprozesse, wie sie andere europäische Metropolen längst durchlaufen haben, stehen nun auch im bislang eher locker bebauten Berlin an. Die neuen Stadtmacher treten als mitgestaltende Koproduzenten und Koproduzentinnen in diesem Umbruchprozess auf. Sie nehmen für sich in Anspruch, kompetent und eigenständig zu handeln und entschiedene soziale Zielsetzungen zu verfolgen. Sie gelten vielfach als einflussreiche gestaltende Kraft in der Entwicklung sozialer Nachbarschaften und im Einsatz für gleichberechtigte Teilhabechancen.

 

 


Explorationsstudie zu Mitgestaltungsformen und -einflüssen von Stadtentwicklung in Berlin


Mit der Durchführung der Explorationsstudie hat der Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e. V. das Institut für Demokratische Entwicklung und Soziale Integration (DESI) in Kooperation mit der L.I.S.T. – Lösungen im Stadtteil Stadtentwicklungsgesellschaft mbH beauftragt.
In der Studie untersuchen wir, welche Ausprägungen diese Form des Mitgestaltens in Berlin annimmt. Wir identifizieren neue intermediäre Akteure in den Bereichen der Stadtplanung und Quartiersgestaltung, der Integration geflüchteter Menschen, in lokalen Beteiligungsprozessen und Bildungslandschaften. Hierbei
fragen wir, ob sich mit den neuen Stadtentwicklungsakteuren eine besonders dezidierte Form der Einflussnahme auf politische Entscheidungsprozesse verbindet und wie sie sich von sozialen Bewegungen abgrenzen. Wir untersuchen Formen ihrer Vernetzung und Kommunikation, wobei insbesondere die Rolle der virtuellen politischen Kommunikation via Web 2.0 und Social Media interessiert. Wir arbeiten explorativ, das heißt, wir gehen von der sozialen und kommunikativen Praxis der Stadtmacher und -macherinnen aus und leiten daraus Folgerungen für die Ausgestaltung lokaler Demokratie ab. Umgesetzt wird unser Vorhaben mittels Experteninterviews, Fallanalysen einzelner Akteurskonstellationen und teilnehmender Beobachtung.


Die Akteure


DESI — Institut für Demokratische Entwicklung und Soziale Integration verfügt über langjährige Erfahrungen in der Erforschung und Beratung kommunaler Politik.
L.I.S.T. arbeitet ebenfalls seit vielen Jahren in den Bereichen Stadtentwicklung, Projektsteuerung und Partizipation und verfügt über Kompetenzen in der Quartiersarbeit und in der Kommunikation via Web 2.0 und Social Media.

DESI
Dr. Jutta Aumüller
jutta.aumueller@desi-sozialforschung-berlin.de
Tel.: 030 814 865 03
L.I.S.T.
Christian Luchmann
stadtmacher@list-gmbh.de
Tel.: 030 284726-183
L.I.S.T.
Susanne Walz
stadtmacher@list-gmbh.de
Tel.: 030 284726-181

Der vhw-Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e. V. ist ein gemeinnütziger Verband. Er engagiert sich durch Fortbildung und Forschung in den Handlungsfeldern Wohnen und Stadtentwicklung für die Leistungsfähigkeit der Kommunen, eine vielfältige Bürgergesellschaft und die Stärkung der lokalen Demokratie.

vhw e.V.
Sebastian Beck
sbeck@vhw.de
Tel.: 030 390473-240