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Studie: Online-Handel führt zu mehr Lieferverkehr und vegrößert Konfliktpotenziale in Städten

Oktober 2018

© nnudoo.Fotolia

Der zunehmende Online-Handel führt zu deutlich mehr Lieferverkehr in Wohngebieten und Innenstädten. Zudem vergrößern sich die Konfliktpotenziale im Hinblick auf Infrastrukturauslastung, Verkehrsbehinderungen und Unfallrisiken. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie für das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), die Prognos zusammen mit KE CONSULT und dem Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung (ILS) erstellt hat und am 29. September 2018 vorgestellt wurde.

Durch den wachsenden Online-Handel sei auch ein Ansteigen des Gesamtverkehrs zu erwarten. Von negativen Umwelteffekten allein auf Basis einer steigenden Gesamtverkehrsleistung auszugehen, greife jedoch zu kurz, so die Wissenschaftler, denn entscheidend seien auch die eingesetzten Fahrzeuge und Antriebe.

Der Online-Handel sei auch mit neuen Aktivitäten (Sendungen abholen, Retouren wegbringen) verbunden, was Veränderungen im Personenverkehr nach sich ziehen kann. Inwieweit dadurch eine Zunahme des motorisierten Verkehrs angestoßen werde, könne jedoch noch nicht abschließend beantwortet werden, unter bestimmten Rahmenbedingungen bestehe diese Möglichkeit jedoch durchaus.

Die Studie bietet eine Reihe von Handlungsempfehlungen für die Politik, unter anderen:

  • Kommunen können die Transportbranche bei der Elektrifizierung ihrer Flotte unterstützen. Dies kann durch Sonderrechte wie eigene Spuren oder Ladezonen geschehen. Die Elektrifizierung der Flotte löst aber nicht die Probleme verstopfter Straßen.
  • City-Logistik-Konzepte können dabei helfen, die stark zersplitterten Lieferverkehre sinnvoll zu bündeln. In der Vergangenheit haben sich diese Konzepte als wenig attraktiv erwiesen. Gerade vor dem Hintergrund drohender Einfahrverbote für konventionelle Diesel könnten sie aber eine Renaissance erleben.
  • Pick-up-Points bündeln die Lieferungen an Endkunden auf gezielt eingerichtete Übergabepunkte. Dadurch können Wohngebiete in der Fläche entlastet werden. Gleichzeitig können aber erhebliche neue Abholverkehre im Umfeld der Pick-up-Points entstehen.
  • Alternative Fahrzeugkonzepte wie Lastenräder oder Drohnen weisen weniger Verkehrsbehinderungen und Platzbedarf auf als konventionelle Lkw. Diese Konzepte sind aber auf Reorganisationen im Lieferprozess und kundennahe Lagerflächen ("Mikro-Hubs") angewiesen, die gerade in Kernstädten knapp sind.

Quelle/Weitere Informationen: Informationen des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), Stand 8. Oktober 2018