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Weiterbildungsatlas 2016: Weiterbildungschancen in Deutschland sind regional ungleich verteilt

Juli 2016

Foto Weiterbildung
© Gina Sanders - Fotolia.com

Die Teilnahme an Weiterbildungen ist zwischen und in den Bundesländern äußerst ungleich verteilt. Das zeigt der Deutscher Weiterbildungsatlas 2016, für den die Bertelsmann Stiftung mit dem Deutschen Institut für Erwachsenenbildung (DIE) die aktuellsten Mikrozensus-Daten der Jahre 2012 und 2013 auswertete und erstmals auch die Weiterbildungsquoten in Kreisen und kreisfreien Städten erfasste.

Laut Studie weisen Baden-Württemberg und Hessen mit 14,8 und 14,6 Prozent die höchsten Weiterbildungsquoten auf. Schlusslichter sind Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern und das Saarland mit 10,4 Prozent.

Der Weiterbildungsatlas zeigt außerdem: Nicht nur zwischen, sondern auch in den einzelnen Bundesländern driften die Weiterbildungsquoten teils erheblich auseinander. Das Extrembeispiel ist Bayern: Trotz eines überdurchschnittlichen Landeswertes finden sich hier Kreise mit sehr niedrigen Quoten. In acht bayrischen Kreisen und kreisfreien Städten nimmt nicht einmal jeder zwanzigste Einwohner an Weiterbildungen teil.

Die Unterschiede bei den Weiterbildungsquoten lassen sich zum einen durch die regionale Sozial- und Wirtschaftsstruktur erklären, so die Forscher. So führten zum Beispiel strukturelle Vorteile, wie eine hohe Qualifikation der Bevölkerung und eine gute wirtschaftliche Lage, häufig dazu, dass sich mehr Menschen weiterbilden. Zum anderen und vorwiegend ergäben sich die Unterschiede allerdings durch Aspekte, die zum Teil beeinflussbar sind – wie die Qualität der Weiterbildungsangebote.

Wie gut Regionen vorhandene Strukturen für Weiterbildung nutzen, erfasst die sogenannte Potenzialausschöpfung. Entspricht die Weiterbildungsquote vor Ort der Quote, die aufgrund regionaler Strukturdaten zu erwarten ist, so beträgt die Potenzialausschöpfung 100 Prozent.

Im Ländervergleich nutzt Berlin seine vorhandenen Strukturen am schlechtesten für die Weiterbildung (rund 80 Prozent Potenzialausschöpfung), stellten die Wissenschaftler fest. Hier könnte es nach der Sozialstruktur 20 Prozent mehr Weiterbildungsteilnehmer geben. Auch Hamburg und Nordrhein-Westfalen schöpfen ihr Potenzial mit rund 85 und 90 Prozent nicht voll aus. Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz dagegen liegen mit rund 116, 114 und 110 Prozent über den zu erwartenden Werten. Deutlich positiv verändert hat sich die Lage in Sachsen: 2012 blieb die Quote gut 11 Prozent hinter den Erwartungen zurück, 2013 lag sie mit rund 103 Prozent darüber.

Ein Vergleich der Kreise und kreisfreien Städte wiederum zeigt die Landkreise Elbe-Elster/Brandenburg, Neumarkt/Bayern und Wunsiedel/Bayern als Spitzenreiter (rund 202, 178 und 172 Prozent Potenzialausschöpfung). In den bayrischen Landkreisen Fürstenfeldbruck und Roth bleiben mit 22,4 und 33 Prozent am meisten Potenziale ungenutzt.

Regionale Strukturmerkmale erklärten längst nicht alle Unterschiede bei der Weiterbildungsteilnahme, betont Prof. Josef Schrader, Wissenschaftlicher Direktor des DIE. Der Weiterbildungsatlas zeige, wie wichtig ein auf den lokalen Bedarf zugeschnittenes Weiterbildungsangebot sei. Kooperationen zwischen kommunalen Akteuren könnten helfen, ein solches Angebot zu schaffen und bei wirtschaftlichen oder demografischen Veränderungen sinnvoll anzupassen, so Schrader.

Daten und Grafiken zu allen 16 Bundesländern finden Sie in der Studie und unter kreise.deutscher-weiterbildungsatlas.de Quelle/Weitere Informationen: Pressemitteilung der Bertelsmann Stiftung vom 4. Juli 2016