Logo Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklungvhw-Kolloqium 2018: Digitaler Urbanismus – Stadtentwicklung in der vernetzten Gesellschaft

vhw-Kolloquium 2018: Digitaler Urbanismus – Stadtentwicklung in der vernetzten Gesellschaft

Die Digitalisierung durchdringt alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens. Dies zeigt sich besonders in den Städten, die von jeher Orte und Experimentierfeld technischer Innovationen und sozialer Veränderungsprozesse waren. Mittlerweile ist das Urbane nicht nur als analoger Ort und soziales Konstrukt zu begreifen, sondern die Konstitution der Stadt findet in einem hybriden Raum aus sozialräumlichen Strukturen und digitalen Layern statt. Diese bringen neue Akteurskonstellationen, Machtgefüge und Öffentlichkeiten hervor, die über Informations- und Datenverfügbarkeit sowie Mobilisierungsmöglichkeiten und Kollaborationsoptionen die städtischen Entwicklungen beeinflussen. 

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Auf der einen Seite werden von Städten und Kommunen in Kooperation mit globalen Technologieanbietern Smart City-Strategien entwickelt, die auf eine nachhaltige energie- und ressourceneffiziente Stadtentwicklung sowie internationale Wettbewerbsfähigkeit abzielen. Auf der anderen Seite nutzt die Stadtbevölkerung die Möglichkeiten der dezentralen und hyperlokalen Vernetzung sowie frei zugänglicher Daten und geobezogene Tools für gemeinschaftliche Formen der Raumaneignung und kapitalismuskritische Stadtgestaltung. So ist das Entstehen einer „digitalen Zivilgesellschaft“ zu beobachten, die das Leben in der Stadt nach ihren Vorstellungen gestalten will. Auch von öffentlicher Seite werden die Potenziale einer partizipativen Stadtentwicklung erkannt und neue, digitale Möglichkeiten der Information, Teilhabe und Koproduktion geschaffen; zeitgleich wird Technologieunternehmen durch innerstädtische Ansiedlungen und der Abgabe von Dienstleistung zunehmend Einfluss auf den öffentlichen Raum gegeben. Daher ist eine Diskussion über die Produktionsverhältnisse von Stadt in einer digitalen und vernetzten Gesellschaft notwendig, die ein neues Verständnis von Governance erforderlich macht.

Je Veranstaltung bieten wir Interessierten einige, freie Plätze an. Bitte informieren Sie sich im Interessensfall unter abecker@vhw.de. Eine Platzgarantie können wir leider nicht geben.


Veranstaltungsprogramm

Google Urbanismus – wie Tech-Unternehmen Stadtentwicklung beeinflussen

20. März 2018 16:30 Uhr
Nina Scholz

„Fuck off Google!“ - „Google ist kein guter Nachbar.“ So klingen die Stimmen und Proteste, die sich gegen die Ansiedlung des Google Campus in Kreuzberg formiert haben. Die Anwohner befürchten eine drastische Beschleunigung der Gentrifizierung und Mietpreiserhöhungen. Die Sorgen scheinen nicht unberechtigt, wenn man die Entwicklungen in Silicon Valley betrachtet. Trotzdem versuchen Städte und Kommunen große Tech-Unternehmen und die Start-up-Szene anzuwerben. Aber was passiert mit Innenstädten, wenn sich Technologieunternehmen ansiedeln? Bereits jetzt haben globale Konzerne über Smart City-Kooperationen zunehmend Einfluss auf die Stadtentwicklung, übernehmen öffentliche Aufgaben  und Infrastrukturen. Daher ist es Zeit, die direkten und weitreichenden Folgen für Stadtpolitik und Zivilgesellschaft zu diskutieren. Plakatdownlooad

Nina Scholz lebt als Journalistin in Berlin. Sie ist bei Deutschlandfunk und Deutschlandfunk Kultur für ​"Audience Development" zuständig und schreibt für ​taz, der ​Freitag, ​Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und ​ANALYSE&KRITIK unter anderem über ​"Digitalen Kapitalismus" und Widerstand. Ihr Buch ​"Nerds, Geeks und Piraten. Digital Natives in Kultur und Politik" ist 2014 im ​Bertz + Fischer Verlag erschienen.


"Neue Modelle des Lokaljournalismus"– Potenziale für Gemeinwesen & Engagement

29. Mai 2018 16:00 Uhr
Lorenz Matzat

Der Lokaljournalismus der Tageszeitungen stirbt hierzulande einen langsamen Tod. Für ein funktionierendes Gemeinwesen ist er aber unabdingbar. Wie ein öffentlich-rechtliches Modell für einen flächendeckenden und gehaltvollen Lokaljournalismus aussehen könnte, wird in dem Vortrag skizziert. Zudem spricht Lorenz Matzat darüber, inwieweit die Automatisierung journalistischer Aufgaben dabei einen Beitrag leisten könnte.

Lorenz Matzat

Lorenz Matzat ist Journalist und Softwareunternehmer in Berlin. Er arbeitet seit ca. 10 Jahren zu den Themen Open Government und Datenjournalismus. Er ist Mitgründer der NGO AlgorithmWatch, die sich seit 2017 mit den Folgen automatisierter Entscheidungen für die Gesellschaft befasst.

Tinder die Stadt – Nachrichten-App zur Stärkung lokaler Öffentlichkeit Steht die lokale Stadtöffentlichkeit vor einem Problem?

29. Mai 2018 16:00 Uhr     
Adrian Roeske

Regionale Zeitungsangebote verlieren zunehmend an Relevanz und es mangelt an kompensierenden digitalen Alternativen, um Angebote und Inhalte der Region wahrzunehmen. Im Projekt „Tinder die Stadt“ setzen sich das Zentrum für Medien-, Kommunikations- und Informationsforschung (ZeMKI), das Institut für Informationsmanagement Bremen (ifib) sowie das Hans-Bredow-Institut mit der Krise von Öffentlichkeit in Stadt und dem angrenzendem Umland auseinander. Auf Grundlage einer empirischen Erhebung wird eine experimentelle App in einem Co-Creation-Ansatz entwickelt, um an die jeweiligen Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzern anzuknüpfen und Inhalte nach dem „Tinder-Prinzip“ zu ihnen zu bringen. Welche Herausforderungen sich dabei stellen und ob eine Software-Lösung helfen kann, die Krise mediatisierter Öffentlichkeit in Stadt und Land zu überwinden, will die interdisziplinäre Studie der Sozial-, Medien-, und Kommunikationsforschung beantworten.

Adrian Roeske

Adrian Roeske ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Informationsmanagement Bremen und forscht in den BMBF-Projekten "Tinder die Stadt" und "Medienkompetenz für mobiles, appbasiertes Arbeiten und Lernen (MeMoApp)" in den Themenfeldern Bildung und Medientechnologien sowie Partizipation und Teilhabe.
Seine Schwerpunkte liegen darüber hinaus im Bereich digitalisierter und datafizierter Lebenswelten, Medienkompetenz und Medienbildung im privaten bzw. beruflichen Kontext und er promoviert im Themenkomplex Big Data und Soziale Arbeit.


Urbane Produktion – Chancen und Herausfoderungen für innerstädtische Produktionsbetriebe

3. Juli 2018 16:30 Uhr   
Kerstin Meyer - IAT & Jan Bunse - Die Urbanisten

Die seit den 1950er-Jahren extensiv betriebene funktionale Trennung und Zonierung der Städte in Wohn-, Handels-, Gewerbe- und Produktionsgebiete wird zunehmend in Frage gestellt und geht mit einer seit Jahren stattfindenden Renaissance der Stadt als Wohn- und Arbeitsstandort einher. Dieser Trend findet Ausdruck in einer Reihe von Begrifflichkeiten wie z. B. Stadt der kurzen Wege, urbanem Leben, urbaner Landwirtschaft oder „smart urban manufacturing“. Durch das Aufeinandertreffen veränderter Lebensstile einerseits und neuer Anforderungen an die Nahversorgung sowie den Möglichkeiten der innerstädtischen Produktion und Bedarfe an Dienstleistungen andererseits, können sich Chancen insbesondere für die bisher von der insgesamt positiven Entwicklung des Strukturwandels abgehängte Quartiere ergeben. Zusätzlich entstehen durch technische Entwicklungen neue Produktionsmöglichkeiten wie bspw. additive Fertigungsverfahren (z. B. 3D-Druck), wodurch neue Wirtschaftszweige entstehen können. Leergefallene Gebäude und Brachflächen können einer produktiven Nutzung zugeführt, ungedeckte Bedarfe bedient und neue lokale Wertschöpfungsketten in Gang gesetzt werden. Gleichzeitig können neue Arbeitsplätze im Quartier entstehen, oder die Arbeitssituation kann werthaltiger werden, indem an bestehende Ökonomien angeknüpft wird.Ist diese Vision einer Vermischung der Nutzungen Wohnen, Freizeit und produzierendem Gewerbe zukünftig umsetzbar? Welche (internationalen) Vorzeigeprojekte gibt es bereits? Welche Hindernisse liegen auf dem Weg zu einer nachhaltig integrierten Stadtentwicklung? Und wie können kollaborative Bewegungen und Praktiken, unternehmensbezogene Innovationen und politische Strategien diesen Weg ebnen? Diese Fragen werden Kerstin Meyer und Jan Bunse in ihrem Vortrag diskutieren und Ergebnisse des BMBF-Forschungsprojekts "UrbaneProduktion.Ruhr" vorstellen.

Kerstin Meyer

Kerstin Meyer studierte Geographie (B.Sc.) und Internationale Wirtschaft und Entwicklung (B.A.) an der Universität Bayreuth sowie den Master Stadt- und Regionalentwicklung an der TU Kaiserslautern.
Seit Oktober 2016 ist sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut Arbeit und Technik (IAT) der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen Bocholt Recklinghausen im Forschungsschwerpunkt "Raumkapital" tätig.

Jan Bunse

Dipl.-Ing. Jan Bunse studierte Raumplanung und Humangeographie in Dortmund und Nijmegen (NL). Seit 2011 als Mitglied der Geschäftsführung und in verschiedenen Projekten für die Urbanisten e.V. tätig. Seit 2016 ist er Projektleiter für Gemeinschaftliche Urbane Produktion im BMBF-Forschungsverbund UrbaneProduktion.ruhr.


Koproduktion und Governance in der digitalen Gesellschaft        

4. September 2018 16:30 Uhr               
Dr. Oliver Märker - Zebralog