Ausgangslage
Häufigere und sich zunehmend überlagernde Krisen und Bedrohungslagen setzen Städte verstärkt unter Handlungsdruck. Sie sollen auch unter schwierigeren Bedingungen funktionsfähig bleiben und die Lebensqualität vor Ort sichern können. Der Aufbau urbane Resilienz gewinnt damit immer mehr an Bedeutung. Die Komplexität heutiger Krisen und Risiken erfordert dabei einen Resilienzansatz, der sich auf verschiedene Gefahren und ihre vernetzten Folgen bezieht, alle potenziell betroffenen Sektoren involviert sowie alle relevanten Akteure einbindet. Die Relevanz einer solchen Multi-Gefahren-Sektoren-Akteurs-Perspektive unterstreicht ebenso das im Jahr 2021 verabschiedete Memorandum „Urbane Resilienz“ (BMI 2021) der Nationalen Stadtentwicklungspolitik. Die damit formulierten Ansprüche an den Aufbau urbaner Resilienz werfen jedoch die Frage auf, inwieweit die kommunale Praxis diese bereits einlösen kann. Verlässliche empirische Daten hierzu fehlen bislang.
Ziel
Die vorliegende Studie setzt genau hier an und untersucht dafür Modellvorhaben, Pilotprojekte, Reallabore und transdisziplinäre Forschungsprojekte, die sich hierzulande auf kommunaler Ebene im Themenfeld urbane Resilienz bewegen. Entsprechende Vorhaben nehmen eine Vorreiterrolle bei der Entwicklung praxisorientierter Resilienzansätze ein. Deshalb ist zu erwarten, dass sich an diesen neuartige und sich in der Etablierung befindliche Resilienzverständnisse in der kommunalen Praxis am besten ablesen lassen. Eine systematische Auswertung der zugehörigen Projektberichte und Publikationen kann sichtbar machen, inwieweit in der derzeitigen Projektpraxis zur urbanen Resilienz schon ein umfassenderer Ansatz bezogen auf Gefahren, Sektoren und Akteure vorzufinden ist. Konkret geht die Analyse der Projekte folgenden Fragen nach:
- Welche Gefahren stehen im Fokus, welche weniger?
- Welche Sektoren werden in die Risikobetrachtung und in die Resilienzplanung einbezogen?
- Von welchen Akteuren gehen die Resilienzinitiativen aus, wer wird darüber hinaus eingebunden?
- Welche Maßnahmen werden durchgeführt und was bleibt, wenn ein Projekt vorbei ist?
Die Studie schafft damit eine wichtige empirische Grundlage für die Weiterentwicklung urbaner Resilienz in Deutschland. Sie zeigt erstmals systematisch auf, wo Schwerpunkte oder Lücken in den bisher initiierten Resilienzansätzen liegen und inwiefern eine Multi-Gefahren-Sektoren-Akteurs-Perspektive in der gegenwärtigen Projektlandschaft bereits eingenommen wird.
