Ausgangslage
Soziale Medien und digitale Plattformen ermöglichen den Menschen sich weltweit zu vernetzen und auszutauschen. Das Aufkommen des Internets wird daher oft mit dem Bedeutungsverlust nahräumlicher Beziehungen in Zusammenhang gebracht. Seit einiger Zeit wächst in Deutschland jedoch ein vielfältiges Angebot an Nachbarschaftsplattformen, die Menschen digital in ihrer Nachbarschaft vernetzen und vor Ort zusammenzubringen wollen. Bislang war allerdings noch wenig über die Auswirkungen dieser Plattformen auf das soziale Zusammenleben und politische Engagement vor Ort bekannt. Diese Wissenslücke will der vhw mit dem Forschungsprojekt „Vernetzte Nachbarn“ schließen.
Ziel
Ziel des Projektes war es, in einem ersten Schritt die Landschaft digitaler Plattformen mit Nachbarschaftsbezug in Deutschland zu erschließen und ein Verständnis für die Wirkungen von digitalen Medien auf das soziale Miteinander in Quartieren zu entwickeln. Im Mittelpunkt der Untersuchung standen die Fragen, wer digitale Angebote für die Nachbarschaft aus welcher Motivation heraus nutzt, welches Bedürfnis an Nachbarschaftlichkeit dahintersteht und wie sich diese Praktiken auf die soziale Vernetzung, gemeinschaftliches Engagement und (vor-)politische Aktivitäten auf lokaler Ebene auswirken.
Mithilfe einer Fülle von empirischen Daten konnte auf diese Weise erstmalig ein umfassendes Bild von digitalen Medien mit nachbarschaftlichem Bezug und ihren Implikationen gezeichnet werden. Es wurde deutlich, dass sich digitale und analoge Interaktionsformen in Sozialräumen zusehends vermischen: Online initiierte nachbarschaftliche Beziehungen benötigen analoge Begegnungen, um sich zu verstetigen, während analoge lokale Gruppen zugleich für Kommunikations- und Organisationszwecke zunehmend auf digitale Medien zurückgreifen.

