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Handlungsfähige Kommune

Ehrenamtlich im Gemeinderat: Wie sich die Kandidaturbereitschaft stärken lässt

Adobe Stock/Felix Geringswald
18. Mai, 2026

Wer in Deutschland in einem Gemeinderat sitzt, kann mitbestimmen: Zwar müssen Kommunen viele Entscheidungen von Bund und Land umsetzen, zugleich sind sie aber eine eigenständige Verwaltungsebene, auf der die Interessen vor Ort aufgegriffen werden können. Doch trotz dieser Gestaltungsmöglichkeiten berichten ehrenamtliche Kommunalpolitiker deutschlandweit von einem Nachwuchsproblem. Woran liegt das – und wie lässt sich die Kandidaturbereitschaft positiv beeinflussen? Diesen Fragen geht eine neue vhw-Publikation nach.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Kandidaturbereitschaft in sächsischen Gemeinderäten sinkt im Landesdurchschnitt leicht (–2,1 % Kandidaturen, 2014–2024), ist aber kein flächendeckendes Phänomen.
  • Lokale Unterschiede dominieren – kein regionales Ost-West-Muster, aber deutlich höhere Kandidaturquoten in Mittel- und Großstädten sowie in Kommunen nahe Leipzig oder Dresden.
  • Strukturelle Faktoren wie Bevölkerungsgröße, Alterung und hoher Auspendleranteil erklären 55 % der Varianz der Kandidaturquote; Zeitknappheit gilt als zentrales Hemmnis.
  • Ehrenamtliches Engagement korreliert positiv mit der Kandidaturbereitschaft: Kommunen mit aktiver Zivilgesellschaft gewinnen leichter Kandidatinnen und Kandidaten.

Die werkSTADT Nr. 83 beruht auf einer Vollerhebung aller kreisangehörigen Kommunen in Sachsen (2014, 2019, 2024). Sie analysiert, welche strukturellen Faktoren die Bereitschaft zur Kandidatur bei Gemeinde- und Stadtratswahlen prägen, und leitet aus den empirischen Befunden Konsequenzen sowie erste Handlungsansätze für Kommunen ab. Die Untersuchung ist zugleich ein erster Baustein einer laufenden umfangreicheren Untersuchung zur Entwicklung des ehrenamtlichen kommunalpolitischen Engagements im Freistaat Sachsen.

Methodik

Untersucht wurde die Kandidaturbereitschaft bei Gemeinderatswahlen in allen kreisangehörigen Kommunen Sachsens (415 bis 431 Gemeinden) über drei Wahlzyklen hinweg. Grundlage bilden Daten des Statistischen Landesamtes Sachsen zur Zahl der Mandate und Kandidierenden, ergänzt um öffentlich verfügbare Informationen zu strukturellen, demografischen, wirtschaftlichen und politischen Einflussfaktoren.

Zur Analyse wurden schrittweise aufbauende lineare Regressionsmodelle berechnet. Dazu wurden zunächst die geografischen und strukturellen Rahmenbedingungen berücksichtigt und dann schrittweise weitere Faktoren wie Demografie, Wirtschaftskraft, zivilgesellschaftliches Engagement und politische Kultur hinzugefügt. So lässt sich nachvollziehen, wie stark einzelne Faktoren bzw. Faktorengruppen das Kandidaturverhalten beeinflussen.

Ob sich ausreichend viele Menschen für ein kommunalpolitisches Ehrenamt zur Verfügung stellen, hängt primär mit den strukturellen Rahmenbedingungen und dem lokalen Beteiligungsklima vor Ort zusammen.

— Fazit des Forschungsteams

Ergebnisse

Die statistischen Analysen zeigen: Obwohl die Kandidaturbereitschaft für sächsische Gemeinderäte im Landesdurchschnitt sinkt, ist das Phänomen halbleerer Räte keineswegs flächendeckend – die Zahlen in den Kommunen unterscheiden sich teils erheblich. Die Kandidaturbereitschaft hängt demnach vor allem von strukturellen Rahmenbedingungen ab: Bevölkerungsgröße, Nähe zu Mittelzentren, Altersstruktur und lokaler Engagementkultur.

Besonders auffällig ist der Zusammenhang mit dem Auspendleranteil: Wo viele Menschen lange Arbeitswege haben, kandidieren deutlich weniger Personen. Das deutet darauf hin, dass Zeitknappheit eine größere Hürde darstellt als mangelndes politisches Interesse. Kommunen mit lebendiger Vereins- und Ehrenamtskultur verzeichnen hingegen mehr Kandidaturen. Flexible Sitzungsformate, gezielte Engagementförderung und bessere Vereinbarkeit von Beruf und Mandat könnten die Bereitschaft zur Kandidatur erhöhen.

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