Ausgangslage
Die Krisenerscheinungen der jüngeren Vergangenheit gingen an den fachlichen Debatten im Bereich der Stadtentwicklung nicht spurlos vorbei. Wieder stärker in den Fokus rückte die Frage: Wie können wir Städte und Quartiere gegenüber Krisen robuster und anpassungsfähiger machen? Aus der Resilienzforschung ist bekannt, dass es für die Entwicklung widerstandsfähiger Strukturen vor allem wichtig ist, sich mit erlebten Krisen und dem Umgang mit diesen reflexiv auseinanderzusetzen. Krisensituationen legen typischerweise vorhandene Schwachstellen in bestehenden Strukturen offen. Sie beinhalten somit die Chance für Verbesserungen und Innovationen.
Eine Röntgenaufnahme von der Verfasstheit sämtlicher gesellschaftlicher Systeme lieferte uns auch die Corona-Krise. Im Bereich der Stadtentwicklung eröffnete sie mehr denn je einen Tiefblick darauf, woran es in Quartieren mangelt, was sie krisenanfällig macht und wo drängende Probleme bestehen. Umgekehrt erlaubte sie aber auch einen Tiefblick darauf, was Quartiere widerstandsfähig macht, welche Strukturen im Krisenfall stabilisierend wirken und wo Innovationspotenziale liegen. Es sind allesamt Einsichten, die für die Entwicklung resilienter städtischer Strukturen von eminentem Wert sind.
Ziel
Die vorliegende Studie setzt genau hier an. Sie befasst sich mit der Situation in benachteiligten Quartieren in der Zeit des ersten Lockdowns, die in besonderer Weise ein Stresstest für die Gesellschaft bedeutete. In den (fach-)öffentlichen Debatten zählten von Beginn benachteiligte Quartiere wegen ihrer sozialstrukturellen und baulich-räumlichen Eigenschaften zu den Orten der besonderen Krisenbetroffenheit. Folgende Fragen stehen daher im Zentrum der Untersuchung:
Welche sozialen Folgen ergaben sich aus der Lockdown-Situation für die Bewohnerinnen und Bewohner in benachteiligten Quartieren? Inwiefern konnten die vorhandenen Strukturen in entsprechenden Stadträumen die unerwünschten Auswirkungen der Krise abmildern? Was hat sich für die Krisenbewältigung vor Ort als förderlich bzw. als hinderlich erwiesen? Und: Welche Rolle kam speziell Akteuren der gemeinwesenorientierten Stadtteilarbeit für die Resilienzbildung in dieser Krisenzeit zu?


