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Ergebnisbericht Projekt Educational Governance liegt vor

Oktober 2013

Symbolbild Bürger
© LUKAS/fotolia

Im Auftrag des Bundesverbands für Wohnen und Stadtentwicklung e.V. (vhw) begleitete das Projekt Educational Governance von 2010 bis 2013 unter der Leitung von Prof. Dr. Thomas Olk (Universität Halle) drei deutsche Großstädte auf ihrem Weg, Bildung lokal zu gestalten, unter anderem die Stadt Karlsruhe. Im Mittelpunkt des Projektes stehen die Untersuchung von Handlungs- und Steuerungsstrategien im Kontext der Gestaltung einer "lokalen Bildungslandschaft" und die Analyse von Akteurskonstellationen im konkreten Zusammenspiel bei der Erbringung und Produktion von Bildung vor Ort. Der Ergebnisbericht für Karlsruhe liegt nun vor. 

Zentrales Ergebnis
Auf städtischer Ebene hat Karlsruhe den Weg in Richtung einer ressort- und ebenenübergreifenden Behandlung des Themas bereits beschritten, dieser ist allerdings ausbaufähig, in Bezug auf die Kooperationsstrukturen selbst, wie auch in Bezug auf Zielstellungen und Zeitpläne. Auf der Quartiersebene des Stadtteils Rintheim besitzt die Entwicklung der Grundschule Heinrich-Köhler-Schule das Potenzial eines entsprechenden "Change-Motors". Eine zentrale Herausforderung wird dabei die Öffnung der Schule zum Gemeinwesen sein, um möglichst viele Akteure in einen möglichst umfassenden Schulentwicklungsprozess zu integrieren.

Wichtige Empfehlungen im Detail
Mit der Einrichtung der AG Bildungsplanung auf der gesamtstädtischen Ebene wurde bereits eine Struktur etabliert, die grundsätzlich die Voraussetzungen für eine Verzahnung von Gesichtspunkten und Zielen der Stadtentwicklung mit Zielen der Bildungspolitik schafft. Das Wirkungspotenzial des Gremiums im Hinblick auf die Verschränkung von Stadt(teil-)entwicklung und Bildung gilt es allerdings stärker auszuschöpfen. Für die Umsetzung der Strategien sollten klare und verbindliche Zielstellungen mit entsprechenden Projekten bzw. Maßnahmen sowie Zeitplänen für die Umsetzung formuliert werden. Sicherzustellen wäre auch hier, dass ressortübergreifend gedacht wird und Bildung als zentrales Element einer Stadtteilentwicklungsstrategie etabliert wird.

  • Auch die Weiterentwicklung der Zusammenarbeit und der Abstimmungsprozesse zwischen den kommunalen Akteuren und dem Staatlichen Schulamt kann eine förderliche Rahmenbedingung für die Weiterentwicklung der Karlsruher Bildungslandschaft sein. Wenngleich es durchaus Ansätze einer Zusammenarbeit im Rahmen der Steuergruppe der "Bildungsregionen" gibt, sollten sich die Akteure darüber abstimmen, welche Maßnahmen und Abstimmungsprozesse notwendig sind, um Konflikte bei der Zusammenarbeit an der Schnittstelle zwischen kommunaler Ebene und Landesebene möglichst zu vermeiden.
  • Die geplante Weiterentwicklung der Heinrich Köhler – Schule zu einer Ganztagsschule eröffnet die Chance, die Schulqualität im Sozialraum zu erhöhen und das Image der Schule zu verbessern. Diese Schulentwicklung kann – quasi als "Change Motor" – insgesamt zu einer Aufwertung des Stadtteils und hier insbesondere des Rintheimer Feldes beitragen. (Bildungsorientierte) Familien treffen ihre Wohnortentscheidungen in vielen Fällen unter dem Gesichtspunkt einer attraktiven Bildungsinfrastruktur, zu der eine qualitativ hochwertige Ganztagsschule "mit gutem Ruf" maßgeblich beitragen kann. Es besteht also die Möglichkeit, dass die Ganztagsschulentwicklung einerseits zu einer stärkeren sozialen Durchmischung der Bewohnerschaft des Stadtteils aufgrund einer gewissen "Anziehungskraft" der Schule beiträgt und andererseits zu einer stärkeren sozialen Durchmischung der Schülerschaft durch die damit verbundene Auflösung des Schulsprengels.
  • Eine zentrale Herausforderung bei der Ganztagsschulentwicklung besteht in ihrer inhaltlich-konzeptionellen Gestaltung und der organisatorischen Umsetzung. Es gilt, die Weiterentwicklung der Ganztagsschule als einen umfassenden Schulentwicklungsprozess zu gestalten, in den möglichst viele bildungsrelevante Akteure innerhalb und außerhalb der Schule einbezogen werden. Hiermit ist die Notwendigkeit einer Öffnung der Schule gegenüber dem Gemeinwesen verbunden, die sich dadurch auszeichnet, dass die Schule unterschiedliche "Stakeholder" und Professionen "einlädt", an der Entwicklung und Gestaltung des Ganztagschullebens mitzuwirken.

Ergebnisbericht "Educational Governance – kommunale Bildungslandschaften"

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in: Forum und Wohnen Nr. 3/2014