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Verbandstag 2018 – Meinungsbildung vor Ort: Chancen für Stadtentwicklung und lokale Demokratie



Dr. Peter Kurz (Bildmitte), Oberbürgermeister der Stadt Mannheim und Verbandsratsvorsitzender des vhw, eröffnete die Veranstaltung mit einem Ausblick auf anstehende „Suchbewegungen“, da validierte Antworten auf die Fragen zum Paradigmenwechsel in der Medienlandschaft derzeit noch ausstehen. Er stellte in Zweifel, ob die "Herrschaft des Arguments" tatsächlich funktioniere und stattdessen nicht oft eine Grundhaltung des "Sich-nicht-rechtfertigen-müssens" existiere.
Prof. Dr. Jürgen Aring (Bild rechts) leitete in das Tagungsthema ein, indem er die Einordnung in die Handlungsfelder Stadtentwicklung und lokale Demokratie beim vhw erläuterte. Bürgerperspektive und Partizipation seien da wichtige Stichworte, ebenso ein fairer Diskurs um das "bessere Argument".

Wie steht es um unsere Demokratie in einer sich stetig verändernden Medienlandschaft?


Moderatorin Tina Kraus (Bild links), die durch den Tag führte, bat Martina Weisband (Bildmitte) uns aus ihrer Sicht zu sagen, wie sich Demokratie unter dauernder Veränderung zeitgemäß gestalten lässt. Marina Weisband, politische Aktivistin und ehemalige politische Geschäftsführerin und Mitglied des Bundesvorstands der Piratenpartei führte in ihrem Vortrag aus, dass es dabei nicht um eine Infragestellung des demokratischen Systems, sondern vielmehr um eine Anpassung gehe. Wenn wir von Digitalisierung reden, gehe es um einen Übergang von der Industriegesellschaft in eine Digitalisierungsgesellschaft mit allen Umwälzungen, die damit einhergehen – etwa der Änderung der Berufswelt. Dazu komme ein immenser Wertewandel, in dem etwa die Rolle von Frauen, von Familien, von Informationen neu bewertet werden.

Lokale Öffentlichkeit(en) im Wandel


Seit der Institutionalisierung von Social Media habe sich eine massive Veränderung ergeben, unterstrich Prof. Dr. Otfried Jarren von der Universität Zürich.  Das etablierte lokale Mediensystem werde grundlegend verändert – mit Folgen nicht allein für die besagten Medien und die medialen Vermittlungsstrukturen, sondern für alle intermediären Akteure wie für die Konstitution lokaler Öffentlichkeit. Lokale Öffentlichkeit werde transformiert, was er im Folgenden mit acht Fragen untermauerte. Die erste Frage: Unnterscheidet sich die lokale Öffentlichkeit von der allgemeinen gesellschaftlichen Öffentlichkeit? beantwortete er mit "Ja", denn die lokale Welt sei ein Nahraum, der direkte soziale Interaktionen ermöglicht.

Bürger, Blogs und politische Botschaften: Meinungsbildung vor Ort heute – Im Gespräch: Journalist & Autor Jürgen Wiebicke mit Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz, Mannheim


Jürgen Wiebicke (Bild links) unterstrich einleitend, dass wir seines Erachtens derzeit nicht nur eine schwierige und gefährliche Zeit erleben, sondern auch eine Zeit des Aufbruchs. Bei allem Engagement, das aus der Zivilgesellschaft in der letzten Zeit entstanden ist, stelle er jedoch oft fest, dass trotz teilweise hoher Qualifikation und Bildung erhebliche Lücken im Wissen darum vorhanden seien, wie Demokratie funktioniere. Es bedürfe also in erster Linie einer Struktur, eines Netzwerkes, eines "Alphabetisierungsprozesse", um das vorhandene und auch das potenzielle Engagement in der Zivilgesellschaft zu steuern.
Auf die Frage, wann er angefangen habe, mit dem Smartphone Politik zu machen, antwortete Peter Kurz (Bild rechts), dass er das nicht mehr genau datieren könne, so sehr sei dieses Instrument inzwischen selbstverständlich geworden. Er sehe die sozialen Medien als Beschleuniger, nicht so sehr als Ursache für die Prozesse, die wir aktuell beklagen. Ganz konkret könnten in Mannheim derzeit keine aktiven Akzente gesetzt werden durch digitale Medien, das Instrument werde eher reaktiv – im Sinne von "etwas nicht stehen lassen" – eingesetzt. Im analogen Bereich sei man da aktuell wirksamer unterwegs.

Kommunikation unter den Bedingungen von Komplexität und Perspektivenvielfalt


Einleitend stellte Prof. Dr. Armin Nassehi von der Ludwig-Maximillians-Universität München in seinem Vortrag fest, dass doch – entgegen des landauf, landab bestehenden Gefühls – ziemlich viele Dinge gut funktionierten. Und wenn etwas nicht funktioniere, werde das dann als Abweichung der Regel identifiziert oder bemerkt, dass etwas nicht mehr so ist, wie es mal war. Heute gehe es etwa den Ärmsten besser, als den Mittelschichten vor drei Generationen. Zu Thema und Programm des Verbandstages bemerkte er, dass es – mit dem Blick auf die Demokratie – nicht nur politische Wirklichkeiten gebe, sondern darüber hinaus auch andere, die gerade in der Stadtentwicklung eine erhebliche Rolle spielen: die Foren der Investoren, die der wissenschaftlich abgeleiteten Vorgaben, die der Kontinuität des politischen Konzepts oder die der rechtlichen Betrachtung. Zum Thema Kommunikation bemerkte er, diese sei eine unvermeidliche Form: Man könne sich nicht etwa dafür entscheiden, nicht zu kommunizieren. Je komplexer die Situation sei, desto mehr brauche man Kommunikation, um die unterschiedlichen Perspektiven aufeinander zu beziehen.

Ausblick


Prof. Dr. Jürgen Aring, Vorstand vhw e. V.,  schloss den vhw-Verbandstag 2018 mit einem Tagesfazit und beschrieb die Veranstaltung als einen Nachmittag von verdichteter Klugheit. Mit einem Dank an alle Mitwirkenden und einem Ausblick auf die anstehenden Aufgaben des Verbandes lud er alle Anwesenden ein, auch im Jahr 2019 wieder dabei zu sein.

Austausch und aktives Vernetzen findet auf vhw-Verbandstagen immer intensiv statt

 

Bericht in Forum Wohnen und Stadtentwicklung Nr. 6/2018 folgt