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Verbandstag 2014 - Städtische Vielfalt als Chance


Ein besonderer Tag am Pariser Platz

145 Gäste aus Wissenschaft, Politik, Kommune, Quartier und organisierter Bürgerschaft kamen zusammen, um gemeinsam "Kommunikationslandschaften" zu bestellen.
Es war kein gewöhnlicher Verbandstag – dies drückte sich schon durch die Wahl des Veranstaltungsorts  unmittelbar am Brandenburger Tor – aus. Dr. Peter Kurz, Verbandsratsvorsitzender des vhw, gab zum Ende seiner Begrüßungsrede bekannt, dass dies der letzte Verbandstag in Verantwortung des Vorstandes Peter Rohland sei und bedankte sich für 25 Jahre hervorragender Arbeit bei der strategischen Ausrichtung und Neuaufstellung des Verbandes. Er bezog sich dabei insbesondere auf die zwei zentralen Säulen des vhw als großer Fortbildungsbetrieb für alle Themen der Stadtentwicklung sowie als Forschungs- und Beratungsinstitution für kommunale Politik und Verwaltung. Die Mitgliederversammlung des vhw wählte unmittelbar vor dem Kongress Prof. Dr. Jürgen Aring zum Nachfolger von Peter Rohland als Vorstand zum 1. Januar 2015.

Vielfalt als politische Handlungsperspektive

… so hieß der Vortrag von Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, und sie betonte die Schnittmengen zwischen den Zielen ihrer Behörde und der verbandspolitischen Ausrichtung des vhw. Das Thema "Gleichbehandlung" müsse immer im Fokus stehen. Vielfalt sei politisch wichtig, auch und insbesondere in der Wohnungswirtschaft. Wie kann Vielfalt als politische Handlungsperspektive gelebt und in die Tat umgesetzt werden?, so könnte die zentrale Fragestellung lauten. Mit Hilfe dreier  Beispiele erläuterte Lüders ihren Zugang zum Thema Vielfalt und Wohnungsmarkt: über den demografischen Wandel, über die Inklusion von Menschen mit Behinderung sowie über die Einwanderungsfrage.

Inklusion als Eckpfeiler einer resilienten Stadtgesellschaft

Prof. em. Dr. Gunnar Folke Schuppert vom WZB Rule of Law Center in Berlin wagte "eine kommunikations- und governancetheoretische Perspektive" auf die Stadtgesellschaft, indem er die einzelnen Begriffe seines Vortragstitels einzeln erläuterte. Auch den Begriff "diversity" sezierte er in seiner ihm eigenen unterhaltsamen Art und Weise. Mit Blick auf das vom vhw bearbeitete Themenfeld Stadtentwicklung und Wohnen wies er daraufhin, dass Kommunikationsangebote sozial-selektiv wahrgenommen werden. Trotzdem müsse Inklusionspolitik als Angebotspolitik gestaltet und Kommunikationsangebote für verschiedene Milieus so attraktiv wie möglich ausgestaltet werden.

Auf dem Weg in eine neue Kommunikationskultur

Vier Jahre Städtenetzwerk vor Ort ließ Vorstand Peter Rohland Revue passieren. Rückblickend unterstrich er, dass der Anlass zur Gründung des Städtenetzwerks "Stärkung lokaler Demokratie" stark mit der vor sechs Jahren erfolgten Neuausrichtung des Verbandes zusammenhänge, denn dieser habe sich "neu erfunden" und verpflichtet, seine Aktivitäten am Leitbild der Zivilgesellschaft auszurichten (§ 3 Absatz 3 der Satzung). Im Anschluss an Voraussetzungen für eine erfolgreiche interkulturelle Kommunikation wies er auf fünf Gelingensbedingungen hin, die aus den Erfahrungen vierjähriger Städtenetzwerkarbeit gewonnen wurden.
Eine neue Kommunikations- und Beteiligungskultur ist keine politische "Spielwiese" zur Ruhigstellung der Bürger. Sie bietet die Chance, den Souverän ernst zu nehmen und in eine aktive Beratungsrolle zu bringen.

Wer sind die Intermediären, und was ist ihre Rolle in der Stadtgesellschaft?

Anschließend gab Bernd Hallenberg, Bereichsleiter Forschung vom vhw, einen Überblick zum Thema "Intermediäre" in der Kommunikation. Wer ist hier eigentlich gemeint? Er fragte in diesem Zusammenhang: Wie kann man sie als Kommunikationsmittler gewinnen und nutzbringend einsetzen?

Intermediäre und Medien - unterschätzte Botschafter in der Stadtgesellschaft?

Den Auftakt zur nachmittäglichen Diskussionsrunde bildeten zwei "Zwischenrufe" von Prof. Dr. Erol Yildiz von der Universität Innsbruck und Prof. Dr. Rainer Geißler von der Universität Siegen. Anschließend wurde über Potenziale und Grenzen von Intermediären und Medien in der Kommunikation der Bürgergesellschaft gestritten. Dabei wurde u. a. deutlich, dass eine Selbsteinordnung als "Intermediärer" nicht immer einfach ist. Die Diskussionsrunde: Safter Çinar, Bundesvorsitzender Türkische Gemeinde in Deutschland, Cansel Kiziltepe, Bundestagsabgeordnete der SPD, Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz aus Mannheim, Moderatorin Elke Frauns, Ralf Schönball, Redakteur beim Tagesspiegel vor allem für Stadtentwicklungsthemen sowie Karin Vorhoff, Referatsleiterin beim Deutschen Caritasverband e. V. (Bildmitte: von links nach rechts).

Und viel Raum für Austausch und Miteinander