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Neue Beteiligung und alte Ungleichheit? Studie zur politischen Partizipation marginalisierter Menschen erschienen

Februar 2021

Die vorliegende vhw-Schriftenreihe 22 ist als Debattenbeitrag zu verstehen, der einen Contra-Punkt setzt gegen die Zeichnung marginalisierter Gruppen als apathisch, politisch abstinent oder als "Mobilisierungsmasse" populistischer Akteure. Vielmehr zeigt sie, dass viele Aktive die Politik als Mittel zur Überwindung von Marginalisierungslagen durch gemeinsames Handeln sehen. Sie wollen sich mit sozialen Verhältnissen auseinandersetzen und sich selbst, den Menschen in ihrem Umfeld sowie der Gesellschaft helfen. Zudem leistet die Studie einen Beitrag zur Weiterentwicklung von Beteiligungsformaten und liefert Handlungsempfehlungen für lokale Akteure der sozialen Arbeit und Gemeinwesenarbeit, für die Zivilgesellschaft sowie Initiativen und soziale Bewegungen.

Ziel des Forschungsprojekts war die Identifikation von Erfolgsgeschichten politischer Partizipation. Dabei wurden im Ruhrgebiet (als Metropolregion mit insgesamt stark ausgeprägten Marginalisierungsquoten) sowie in Hamburg (als Stadt mit großen Disparitäten zwischen wohlhabenden und benachteiligten Stadtteilen) Beteiligungsformate in benachteiligten Stadtteilen identifiziert. In einem zweiten Schritt wurde dort mit Verantwortlichen und Aktiven Kontakt aufgenommen. Abschließend verweist die Studie auf verschiedene Ansätze zur Förderung politischer Partizipation Marginalisierter. So kann etwa die Bereitstellung von Personalmitteln sowie die Gewährleistung offener, barriere- und vor allem kostenfreier Räume unterstützend wirken. Es empfiehlt sich überdies, auf individuelle Bedarfe etwa durch Kinderbetreuung oder Nutzung von Online-Tools einzugehen. Durch eine faire Kommunikationsatmosphäre sowie Überbrückung unterschiedlicher Sprachfertigkeiten, etwa durch Kulturdolmetscherinnen und -dolmetscher, können sich auch sonst schwer mobilisierbare Zielgruppen beteiligen. Schließlich trägt eine verbindliche Einbindung der jeweiligen Instrumente in übergeordnete Entscheidungsprozesse zu deren Glaubwürdigkeit bei.

Letztendlich ist es aber die soziale Ungleichheit selbst, der durch eine Politik des sozialen Ausgleichs entgegengetreten werden muss. Hier sind Maßnahmen zur aktiven Gleichstellung besonders von Frauen, Migranten und Menschen mit Behinderung zu unterstützen. Dadurch werden sie besonders darin bestärkt, sich aktiv und selbstbewusst in politische Entscheidungsprozesse einzubringen.

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