Logo Bundesverband für Wohnen und StadtentwicklungNachricht

Sachsen will Radverkehr stärken

Mai 2019

Fahrradschnellweg
© salajean.Fotolia

Der Anteil des Radverkehrs am Gesamtverkehr im Freistaat Sachsen soll weiter gesteigert werden. Dafür sei es notwendig, das Fahrrad in allen verkehrs- und städteplanerischen Konzepten stärker als bisher zu berücksichtigen und die Infrastruktur entsprechend auszubauen, um so Sicherheit und Attraktivität des Radfahrens zu erhöhen, teilte Verkehrsminister Martin Dulig mit. Zudem sollen neue Elemente, wie Radschnellwege zwischen Ballungszentren, etabliert werden.

Grundlage der Radverkehrsaktivitäten des Freistaates Sachsen ist die Radverkehrskonzeption 2014, die Aufgabe, Ziele und Maßnahmen definiert. Bis Sommer 2019 wird die Konzeption fortgeschrieben.

Radwege an Bundes- und Staatsstraßen

Ein Kernpunkt ist die Fortschreibung des Bedarfs von Radverkehrsanlagen an Bundes- und Staatsstraßen mit einer Bewertung und Neuaufnahme von Abschnitten. Schwerpunkte sind notwendige Netzergänzungen und Lückenschlüsse im Radwegenetz.

Im Rahmen zweier aufgelegten Sonderprogramme sind 543 Kilometer Radwegemaßnahmen an Bundes- und Staatsstraßen mit einem Planungs- und Bauvolumen von ca. 300 Millionen Euro während der laufenden Legislaturperiode beauftragt worden. Laut Minister Dulig befinden sich aktuell 445 km in Planung und Bau.

Touristisches Landesradwegenetz SachsenNetz Rad wird fortgeschrieben

Ziel ist eine sichere Befahrbarkeit und attraktivere Routenführung möglichst abseits von Straßen. Dazu soll eine Optimierung der Verläufe in Abstimmung mit den Landkreisen erfolgen. Zum Ausbau wurden und werden im Zuge der kommunalen Radwegeförderung 12 Mio. Euro in diesem Jahr bereitgestellt.

Parallel wird das touristische Radwegenetz sachsenweit mit einer aktuellen durchgängigen Wegweisung ausgestattet. Diese Erstausstattung wird durch das Land finanziert und sukzessive in ganz Sachsen durch das Landesamt für Straßenbau und Verkehr geplant und umgesetzt. Start war im Juli 2018 in der Region Leipzig. Hier wurde ein rund 900 Kilometer langes Netz beschildert. Die Umsetzung ist inzwischen weitgehend abgeschlossen. Die Gesamtkosten für die Region Leipzig belaufen sich auf rund 630.000 Euro.

Die Regionen Dresden und Bautzen sind in Planung. Rund 1.080 Kilometer Radwege des SachsenNetz Rad im Bereich der Landkreise Meißen und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge sowie in der Stadt Dresden sollen einheitlich und aktuell beschildert werden. Die Bauleistungen sollen Ende 2019 ausgeschrieben werden, so dass ab 2020 die Umsetzung der Beschilderung beginnen kann.

Radschnellverbindungen

Da bisher in Sachsen keine Erfahrungen mit Radschnellverbindungen vorliegen, wurde 2018 eine landesweite Potenzialanalyse zur Ermittlung geeigneter Korridore durch den Freistaat erarbeitet. Im Ergebnis der Potenzialanalyse konnten elf Korridore mit einer Gesamtlänge von 133,6 km identifiziert werden. Nun gilt es im Rahmen von Machbarkeitsuntersuchungen konkrete Trassen zu untersuchen.

Radschnellverbindungen sollen in ihrer Bedeutung entsprechend den Staatsstraßen gleichgestellt werden. Aufgrund des baulichen Aufwandes liegen die voraussichtlichen Kosten mit bis zu rund 2 Mio. Euro/km erheblich über denen von konventionellen Radwegen. Eine Prognoseverkehrsstärke im Querschnitt von 2.000 Radfahrenden pro Tag sei daher anzustreben und wird auch als Kriterium für eine Förderung mit Bundesmitteln gefordert.

Förderung Radverkehr

Für Planung und Bau von Radwegen und Radverkehrsanlagen in kommunaler Baulastträgerschaft stellt der Freistaat den Landkreisen und Gemeinden Fördermittel zur Verfügung. Diese wurden seit 2014 kontinuierlich aufgestockt. Mit dem neuen Doppelhaushalt 2019/2020 wurden die Mittel auf 8,2 Mio. Euro bzw. 8,4 Mio. Euro weiter erhöht und haben sich damit seit 2014 (2,5 Mio. Euro) mehr als verdreifacht. Auch die Bewilligungen bzw. der Abruf der Fördermittel entwickelt sich inzwischen positiv: Von rund 1,05 Mio. Euro im Jahr 2014 auf rund 10 Mio. Euro im Jahr 2018. Zusätzlich wurden nicht nur die Fördermittel, sondern auch die Fördersätze angehoben. Die Kommunen können seit 2015 90 Prozent Förderung für Radverkehrsanlagen erhalten.

Radwegedatenbank

Parallel zur Planung, dem Bau und der Bereitstellung der Radverkehrsinfrastruktur stehen seit Mitte 2018 auch die Daten der Radwegedatenbank des Freistaates Sachsen auf dem "Geoportal Sachsenatlas" allen Radfahrern und Interessierten in leicht zugänglicher Form zur Verfügung. Zum Aufbau dieser Radwegedatenbank erfolgte die systematische Erfassung von rund 6.000 Kilometern Radwegen (SachsenNetz Rad, Bundes- und Staatsstraßen) im Rahmen von Befahrungen. Ermittelt wurden so alle Daten zu Verlauf, Zustand, Oberfläche und Führungsformen.

Verkehrssicherheit

Der Freistaat unterstützt Verkehrssicherheitsprojekte der Landesverkehrswacht Sachsen e. V. Dafür stellt das Land im aktuellen Doppelhaushalt jährlich ca. 580.000 Euro zur Verfügung – ein Schwerpunkt dabei: Radfahrausbildung in der Grundschule.

Arbeitsgemeinschaften

Bereits im Jahr 2014 wurde die Landesarbeitsgemeinschaft Radverkehr unter Federführung des SMWA als Austauschplattform und zur Koordinierung der landesweiten Radverkehrsaktivitäten im Freistaat Sachsen gegründet. Fünf regionale Arbeitsgemeinschaften unter Initiative des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr widmen sich der Abstimmung konkreter Radverkehrsthemen und Projekte vor Ort. In diesen Gremien sind die unterschiedlichen Akteure des Radverkehrs auf staatlicher und kommunaler Ebene vertreten.

Der Freistaat Sachsen hat darüber hinaus die Gründung einer "Arbeitsgemeinschaft sächsischer Kommunen zur Förderung des Rad- und Fußverkehrs" (Rad.SN) koordiniert und stellt eine Anschubfinanzierung für die Gründungsphase von bis zu 256.000 Euro zur Verfügung. Die Arbeitsgemeinschaft hat sich Anfang März 2019 in Bautzen gegründet und soll sich intensiv mit dem Bereich des kommunalen Radverkehrs und Fußverkehrs befassen. Quelle/Weitere Informationen: Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, Pressemitteilung vom 2. Mai 2019