Studie zur Lage und Neugestaltung der lokalen Informations- und Kommunikationsstruktur vorgestellt

April 2026

Gemeinsam mit seinen Studienpartnern: der Universität Zürich, der Hochschule Düsseldorf und dem Sinus-Institut legt der vhw die Studie zur Lage und Neugestaltung der lokalen Informations-  und Kommunikationsinfrastruktur vor. 
Medienvielfalt, Plattformökonomie und Nutzungsfragmentierung haben auf lokaler Ebene eine gemeinsame Informations- und Kommunikationsbasis zunehmend ausgehöhlt. Der Übergang in partiell unverbundene Teilöffentlichkeiten droht die Funktionsfähigkeit der lokalen Teilhabe und damit der Demokratie zu unterminieren. Ziel der mit mehreren Partnern gemeinsam erstellten und vom vhw getragenen Studie war es daher, Voraussetzungen für eine Anpassung der lokalen Kommunikations- und Informationsinfrastruktur zu untersuchen und zielführende Vorschläge vorzulegen.

Die hohe Relevanz und Dringlichkeit unseres Anliegens wird auch daran deutlich, dass parallel – und ohne direkte Interaktion mit uns – aktuell ähnliche Vorschläge mit gleicher Zielrichtung entwickelt und veröffentlicht worden sind.

Im Unterschied zu diesen – und zu weiteren Ansätzen – haben wir in unserer Studie den Kontext jedoch deutlich weiter gespannt. So werden die fragmentierten Medienrepertoires der Bürgerinnen und Bürger differenziert und sowohl auf der Gesamtebene der lokalen und regionalen Medien als auch durch vertiefte Untersuchungen vor Ort einbezogen. Zugleich wird die Alltagsrealität der kommunalen und der intermediären Kommunikations- und Informationspraxis anhand von mehreren lokalen Beispielen vertiefend analysiert. Schließlich werden Rolle und Perspektiven des lokalen Journalismus, auch unter den Bedingungen von künstlicher Intelligenz, einer intensiven Betrachtung unterzogen.

Diese einzelnen Befunde wurden zusammengefügt und bilden die Grundlage für die Ableitung des Ansatzes eines Local Open Public Space, der die Defizite von Erreichbarkeit, Auffindbarkeit, thematischer Breite und Zugangsproblemen überwinden soll. Damit sollen die Voraussetzungen für eine breite, gemeinsame Informationsbasis mit vielfältigen Möglichkeiten zum kommunikativen Austausch geschaffen werden.

Am 20. April 2026 hatte der vhw dazu bereits ausgewählte Expertinnen und Experten aus Kommunikationswissenschaft, Medienpraxis und Kommunen zur Vorstellung der Ergebnisse eingeladen und mit ihnen den Diskurs über die Ausgestaltung eines Local Open Public Space aufgenommen.  Dieser Diskurs wird vorangetrieben, um Bestandteile, Hürden und Potenziale bei der angestrebten Implementierung zu präzisieren und die nötigen medienpolitischen Voraussetzungen zu erörtern. In ihn sollen weitere fachkundige Personen und Institutionen einbezogen werden, um die Voraussetzungen für eine Umsetzung auf der lokalen Ebene weiter zu verbessern. Zuvor wurde der erste Teil der Studie von den Verantwortlichen für die einzelnen Beiträge präsentiert und diskutiert.

Nach der Begrüßung durch Prof. Dr. Jürgen Aring, Erster Vorstand des vhw e. V., führte Prof. em. Dr. Otfried Jarren von der Universität Zürich (Foto) in die aktuelle lokale Medienlage ein. Er skizzierte die grundlegenden Transformationsprozesse, die lokale Öffentlichkeit und Demokratie prägen. Im Anschluss stellte vhw-Seniorwissenschaftler Bernd Hallenberg die Studienergebnisse zur Mediennutzung in Deutschland vor. Das Interesse an lokalen Informationen bleibt demnach hoch, doch das Vertrauen in Medien nimmt über alle Gattungen und sozialen Gruppen hinweg ab. Zugleich zeige sich eine ambivalente Selbsteinschätzung der eigenen Medienkompetenz bei der Bewertung von Fake News und der Auswahl glaubwürdiger Quellen.

Prof. Dr. Olaf Jandura (Hochschule Düsseldorf) analysierte in seinem Vortrag die Kommunikationspraxis kommunaler Verwaltungen und zivilgesellschaftlicher Akteure. Obwohl Öffentlichkeit und Erreichbarkeit ihm zufolge als hochrelevant gelten, werde lokale Öffentlichkeit kaum systematisch beobachtet und Social Media vielfach wie ein klassisches Sendemedium behandelt. Ein großer Teil der organisierten Zivilgesellschaft sei zudem digital schwach sichtbar oder gar nicht auffindbar – nur 29 Prozent der erfassten Vereine ließen sich online erreichen.

Daran anknüpfend präsentierte Dr. Silke Borgstedt (SINUS-Institut) Ergebnisse qualitativer Fokusgruppen-Gespräche mit Bürgerinnen und Bürgern in Essen, Wuppertal und Oberspreewald-Lausitz. Ihre zentralen Befunde: Die meisten der Befragten fühlten sich „eher erschlagen“ von der Informationsflut und suchten lieber selbst je nach Bedarf gezielt nach Informationen. Gewünscht würden eine Bündelung lokaler Informationen an einem zentralen Ort sowie faktenbasierte statt meinungsgetriebene Kommunikation. Stadtverwaltungen hätten ein Imageproblem und erreichen viele Bürgerinnen und Bürger nicht, gelten aber dennoch als vertrauenswürdige Informationsquellen.

Den ersten Teil beendete Prof. Dr. Christoph Neuberger (Berlin), der die Situation des Lokaljournalismus beleuchtete. Dieser sei trotz hoher Wertschätzung in der Bevölkerung ein schrumpfender, HS Düsseldorf, HS Düsseldorf, ersetzen, sondern nur ergänzen; allerdings falle es lokalen Tageszeitungen schwer, digitale Innovationen umzusetzen, was sich etwa am Beispiel Künstliche Intelligenz zeige. 

Im zweiten Teil stellten Dr. Peter Kurz, Verbandsratsvorsitzender des vhw, und Prof. Otfried Jarren den Gestaltungsansatz eines Local Open Public Space für die lokale Kommunikationsinfrastruktur in Form eines Policy Papers und Apells vor.

Ihre Beiträge bildeten den Auftakt für eine intensive und offene Diskussion mit den geladenen Expertinnen und Experten. So erhielt der Ansatz viel grundsätzlichen Zuspruch, zugleich wurden auch Hinweise zur ergänzenden Gestaltung und zum medienpolitischen Kontext gegeben. Dieser Diskurs wird unter Einbeziehung der Fachöffentlichkeit und relevanter Akteure aktiv weitergeführt, um ein tragfähiges und medienpolitisch zustimmungsfähiges Konzept zu entwickeln und dem drohenden Verlust einer gemeinsamen Öffentlichkeit entgegenzuwirken.

 

Studie Local Open Public Space – Kommunikationsinfrastrukturen für die lokale Demokratie

Veröffentlichung des vhw – Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e. V.
Bereich Forschung,
Berlin, April 2026

Zur Studie

Autorinnen und Autoren
Prof. em. Dr. Otfried Jarren, Universität Zürich
Prof. Dr. Olaf Jandura, Gregor Meyer, MA., Hochschule Düsseldorf
Dr. Silke Borgstedt, Jochen Resch, SINUS-INSTITUT, Heidelberg/Berlin
Prof. Dr. Christoph Neuberger, Berlin
Bernd Hallenberg, vhw – Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e. V.