Welche Praktiken können sich Kommunen, Stadtverwaltung und Akteure aus Kunst und Kultur voneinander abschauen, um nachhaltige kommunale Entwicklung zu fördern? Mit dieser Frage befasste sich Professor Dr. Jürgen Kegelmann (Hochschule Kehl) mit Dr. Kristina Seidelsohn (vhw e. V.) Mitte April bei der „Grünen Mittagspause“ des NRW KULTURsekretariats (NRWK). Bei diesem Format lädt das NRWK im Rahmen des Programms öKoKom / Nachhaltigkeit in der kommunalen Kulturarbeit einmal im Monat zu Impulsen und Austausch ein. Das Programm unterstützt Mitarbeitende in den kommunalen Kulturverwaltungen Nordrhein-Westfalens, sich in Fragen zu ökologischer Nachhaltigkeit im Kulturbereich aufzustellen und handlungsfähig zu werden.
In seinem Inputvortrag stellte Jürgen Kegelmann zentrale Befunde des vhw-Forschungsprojekts „Kommunale Managementformen für die Transformationsaufgaben der Zukunft“ vor. So skizzierte er unter anderem Fähigkeiten, die für derartige Aufgaben von entscheidendem Vorteil sein können. Dazu zählten etwa die „Paradoxiekompetenz“, bei der es darum gehe, „Spannungen entspannt auszuhalten“, sowie die „Inter-Aktions-Kompetenz“, wie er erläuterte: „Wie nehme ich Menschen mit, mache sie zu Komplizen und Mit-Gestaltern?“ Dass die Ressourcen, die für Innovation und Transformation zur Verfügung stehen, oftmals nur begrenzt seien, könne demnach auch ein Treiber und Ansporn dazu sein, aus der Beschränktheit eine geniale Lösung zu finden: „Not macht erfinderisch.“
In der anschließenden Diskussions- und Fragerunde mit den Teilnehmenden wurde deutlich: Es gibt viele Anknüpfungspunkte zwischen künstlerischen Akteuren und der praktischen Arbeit kommunaler Kulturverwaltungen. In deren Alltag gehe es zwar oft darum, Kultur in bürokratische Prozesse zu zwängen. Im Forschungsprojekt sei die Perspektive aber genau andersherum: Es gelte, von Künstlerinnen und Künstlern für die Strukturen der Verwaltung lernen und die eigenen Narrative zu hinterfragen. Dies sei zwar schwer in stark geregelten Kontexten, aber es gebe Möglichkeiten. Letztlich hänge von Inhalten und vielfach auch von einzelnen Personen ab, welche Prozesse gestaltet und welche Kooperationen gesucht werden. Künstler hätten eine andere Form der Wahrnehmung, was das Forschungsprojekt gut herausarbeite. Wie man diese als Verwaltung deuten und davon lernen könne, sei spannend und für die Bewältigung von Transformationsaufgaben hoch relevant.
Zum Forschungsprojekt "Kommunale Managementformen für die Transformationsaufgaben der Zukunft"