Wer macht morgen noch Kommunalpolitik?

Juni 2026

Diese Frage stand Mitte Juni im Mittelpunkt einer gemeinsamen Fachtagung des vhw mit der Hochschule Harz in Wernigerode. Es waren sieben produktive Stunden mit Impulsvorträgen, vier Workshops, einer Podiumsdiskussion und wertvollen Einblicken aus Verwaltung, Kommunalpolitik, Verbänden, Bildungswerken und Wissenschaft. Die beiden Tagungsgastgeber Christian Höcke (Seniorwissenschaftler vhw) und Prof. Dr. Oliver Junk (Hochschule Harz) hatten zwölf Impulsgebende eingeladen, vor Ort ihre Sicht auf das Thema „Kommunalpolitisches Ehrenamt“ zu teilen. Darunter Dr. Katrin Cholotta, Leiterin der Abteilung „Demokratie und Engagement“ im Arbeitsstab der Ostbeauftragten der Bundesregierung, die Beigeordnete des Städte- und Gemeindebundes Sachsen-Anhalt Inga Otte-Sonnenschein, das Forschungsteam Prof. Dr. Astrid Lorenz und Dr. Hendrik Träger von der Universität Leipzig sowie Bürgermeister, Stadträtinnen und Stadträte.

Den Ausgangspunkt bildet eine angespannte Lage in vielen Kommunen: Handlungsspielräume werden enger, die Diskussionskultur leidet, das allgemeine Interesse an Engagement in kommunalen Räten ist zu gering. Das alles hat Auswirkungen – sowohl auf die lokale Demokratie und den sozialen Zusammenhalt als auch auf Prozesse der Stadtentwicklung. Stadt- und Gemeinderäte sind elementarer Bestandteil der kommunalen Selbstverwaltung. Daher braucht es in allen Kommunen engagierte Personen, die auch in Zukunft Entwicklungsprozesse vor Ort anschieben, mittragen und zusammen mit der Verwaltung gestalten.

Christian Höcke ordnete in seinem Vortrag die bundesweiten Zahlen und Entwicklungen des ehrenamtlichen kommunalpolitischen Engagements ein. „In vielen Ländern fehlen belastbare Zahlen zur Entwicklung der Kandidaturen auf Gemeindeebene. Dort, wo es sie gibt, zeigen sich sehr unterschiedliche Trends", erläuterte er. "Deshalb brauchen wir keine pauschalen Antworten, sondern wir müssen auf Rahmenbedingungen und Prozesse vor Ort genau hinschauen.“

In der Workshop-Phase der Fachtagung, die von Christian Höcke und Sebastian Beck (Seniorwissenschaftler vhw) moderiert wurde, tauschten sich die Teilnehmenden darüber aus, wie sich mehr Menschen für kommunalpolitisches Engagement gewinnen lassen und welche Rahmenbedingungen es braucht, damit Engagement bleibt. Dabei zeigte sich, dass es viele gute Ideen gibt: Veränderte Sitzungszeiten oder die Nutzung hybrider Formate gehören ebenso dazu wie eine Stärkung der Sitzungskultur und Kommunikationsprozesse. Doch auch die strukturellen Rahmenbedingungen für kommunalpolitisches Engagement gehören auf den Prüfstand. Der vhw wird sich mit diesem wichtigen Thema weiterhin intensiv beschäftigen.

Zum Forschungsprojekt "Ehrenamtliches kommunalpolitisches Engagement in Gemeinderäten in Sachsen"