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Zu wenig digitale Leistungen - öffentliche Vergabe am weitesten

Juni 2020

© Sikov.AdobeStock

Der Aufbau einer digitalen Verwaltung zieht sich. Das zeigen die Ergebnisse des Branchenkompass Public Sector von Sopra Steria und dem F.A.Z.-Institut. Nur 16 Prozent der Behörden vermelden demnach, dass sie Verwaltungsleistungen gemäß Onlinezugangsgesetz (OZG) vollständig oder weitgehend über das Internet anbieten. 61 Prozent befinden sich laut der Umfrage mitten in der Umsetzung. Größere Fortschritte gebe es bei der Umsetzung des E-Government-Gesetzes, beispielsweise bei der Online-Vergabe von Aufträgen. Für die Studie seien 100 Entscheider aus 100 deutschen Bundes-, Landes- und Kommunalverwaltungen befragt worden.

Die Covid-19-Beschränkungen haben der Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung einen Schub verliehen.

Der Branchenkompass offenbart, die Verantwortlichen bei Bund, Ländern und Kommunen kommen mit der Umsetzung beider Gesetze unterschiedlich voran. Am weitesten ist die öffentliche Verwaltung nach Angaben von Sopra Steria bei der elektronischen Vergabe öffentlicher Aufträge: In 60 Prozent der Behörden sei die Abwicklung von Ausschreibungen über spezielle Vergabeplattformen möglich.

Die Onlinezugangsgesetz (OZG)-Umsetzung kommt langsam voran, berichtet Sopra Steria. 77 Prozent der befragten Behörden würden von Online-Verwaltungsangeboten berichten, die aber nur ansatzweise fertig sind. Bei 16 Prozent seien OZG-Leistungen komplett fertig oder weitgehend entwickelt. „Neben den technischen Aspekten fordert die Verwaltungen auch ein notwendiges kulturelles Umdenken. Es geht schließlich nicht darum, dass Verwaltung auf eine Website umzieht”, erklärt Ulf Glöckner, Senior Manager Public Sector bei Sopra Steria und Experte für Change Management. „Dienstleistungen müssen aus Nutzersicht neu gedacht und dann digital in der Form angeboten werden, wie es Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen vom Internet-Einkauf gewohnt sind. Dieser kulturelle Wandel braucht länger als die Einführung einer App und muss effektiv gemanagt werden”, so Ulf Glöckner, Senior Manager Public Sector bei Sopra Steria und Experte für Change Management.

Eine Voraussetzung für bürgerorientierte Verwaltungsdienste sind laut Unternehmen rechtssichere Bürger- und Servicekonten. Jede vierte Verwaltungseinrichtung habe das Vergabeverfahren zumindest in Teilen digitalisiert. Vorgaben für den Datenschutz und die IT-Sicherheit hätten 48 Prozent der Behörden vollständig und 47 Prozent teilweise umgesetzt.

Quelle und weitere Informationen: Newsletter kommune 21 vom 3. Juni 2020, Branchenkompass Public Sector 2020 zum Download (Deep Link), https://www.soprasteria.de,  https://www.faz-institut.de