Auf kommunaler Ebene bestehen seit Jahren Herausforderungen, die sich unter dem Begriff „Care-Krise“ bündeln lassen: fehlende Betreuungs- und Versorgungsangebote für Kinder sowie kranke und pflegebedürftige Menschen, Überlastungen von pflegenden Angehörigen und Fachkräften, zunehmende Einsamkeit und unzureichende Barrierefreiheit in öffentlichen Räumen. Zudem sind die Menschen, die Care-Arbeit leisten – überproportional häufig Frauen und Migrantinnen – oft ökonomisch benachteiligt und in ihrer gesellschaftlichen Teilhabe eingeschränkt. Um diesen Problemen auf städtischer Ebene zu begegnen, wird seit einiger Zeit das Konzept der „Caring City“ diskutiert. Die nun veröffentlichte Studie hat sich intensiv mit diesem Konzept beschäftigt, um dessen wesentliche Merkmale und den praktischen Nutzen für die soziale und nachhaltige Stadtentwicklung zu erfassen. Neben dem akademischen Diskurs beleuchtet sie vier internationale Referenzstädte – Barcelona, Madrid, Bogotá und Umeå –, die bereits Caring-City-Ansätze umgesetzt haben. Die Studie wurde von Vertr.-Prof. Dr. Sandra Huning und Hannah Müller verfasst, vom vhw e. V. gefördert und von Nina Böcker (vhw) wissenschaftlich begleitet.
Die Praxisbeispiele in der Studie zeigen, wie der Aspekt „Care“ in der Stadtentwicklung gestärkt werden kann, etwa durch die bedarfsgerechte Weiterentwicklung von Betreuungs-, Pflege- und Beratungsangeboten in Quartieren, die Etablierung lokaler Care-Zentren oder die Unterstützung von Nachbarschaftsnetzwerken. Mithilfe care-sensibler Stadtplanungskonzepte können öffentliche Räume so gestaltet werden, dass sie mit Kinderwagen, Rollstuhl oder Rollator zugänglich sind und es ausreichend Sitzmöglichkeiten sowie kostenlose Zugänge zu Toiletten gibt. Darüber hinaus werden die Arbeitsbedingungen im Care-Sektor thematisiert und Maßnahmen ergriffen, um Care-Arbeit in der Stadt stärker anzuerkennen und sichtbar zu machen. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die Care-Perspektive im Rahmen sozialer Stadtentwicklung eine bisher wenig beachtete Facette adressiert, indem sie die Lebensbedingungen sowohl für Care-Arbeit Leistende als auch für Care-Empfangende vor Ort in den Fokus rückt.