"vhw & friends" 2022

Zum Thema "Die Stadt im Klimawandel"

Länger werdende Hitze- und Dürreperioden und intensive Unwetterereignisse der letzten Jahre haben das Thema Klimawandel ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Die Anpassung an diese Klimaentwicklung  werden zunehmend von Politik und Gesellschaft als dringende Aufgaben angesehen. Jüngst wurden auf der COP26-Klimakonferenz 2021 in Glasgow partielle Fortschritte erzielt. Diskussionen über städtische Leitbilder im Rahmen der Habitat III – Agenda der Vereinten Nationen sowie der Neuen Leipzig Charta in der Europäischen Union zeigen, dass ökologische Nachhaltigkeit ein zentraler Pfeiler für die städtische Entwicklung der kommenden Jahrzehnte ist. Städtische Entwicklungspfade entscheiden daher maßgebend darüber, ob es insgesamt gelingen wird, den Klimawandel wirkungsvoll einzugrenzen.
In dem Zuge der vielen Bezüge, die das Thema hat, werden Fragen der Energiegewinnung und des -verbrauchs, der Mobilität oder der Flächennutzung berührt. Insbesondere wird gegenwärtig intensiv untersucht, wie wachsendem Hitzestress und Extremwetter mit Instrumenten der Stadtplanung, der Architektur sowie angepassten Infrastrukturen begegnet werden kann. Und schließlich berührt der Klimawandel auch das gesellschaftliche Miteinander: Welche Konsumansprüche kann sich eine Gesellschaft weiterhin leisten? Wer trägt die Lasten des Wandels, in welchen Foren und Formaten werden diese Fragen verhandelt?

Unsere vhw & friends – Reihe 2022 fragt aus der Perspektive verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen nach Herausforderungen und Lösungen für "Die Stadt im Klimawandel".

Wir freuen uns auf unsere Impulsgebenden, unsere Gäste und den sich anschließenden Austausch in kleinem Kreis. Um Anmeldung bei Frau Sonja Ossig (sossig@vhw.de) wird gebeten.


Noch 4 Veranstaltungen in 2022

05.07.2022: 16.30  – Konferenzraum 5. OG

Suffizienz als Schlüssel zur resilienten, nachhaltigen und zukunftsfähigen Stadt

Abhängigkeit von Energieimporten und Versorgungssicherheit, Ressourcen-, Fachkräfte- und Wohnraummangel, Resilienz gegen die zunehmenden Folgen des Klimawandels und Klimaschutz – die Herausforderungen in der Stadtentwicklung werden nicht weniger. Eine bisher kaum berücksichtigte Strategie ist die Suffizienz, die das absolute Konsumniveau von Energie und Ressourcen hinterfragt. Suffizienz bezeichnet dabei eine Lebensweise, die den Überverbrauch von Ressourcen beenden möchte. Dabei hat diese Strategie eine Reihe von Vorteilen in Hinsicht auf Kosten, Synergieeffekte zwischen den genannten Herausforderungen und auf die Lebensqualität der städtischen Bevölkerung. Der Vortrag von Anja Bierwirth zeigt auf, wie Suffizienz einen substanziellen Beitrag zur resilienten, nachhaltigen und zukunftsfähigen Stadtentwicklung leisten kann.

Anja Bierwirth, Leiterin des Forschungsbereichs „Stadtwandel“ in der Forschungsgruppe „Energie-, Verkehrs- und Klimapolitik“ im Wuppertal Institut, studierte in Bremen und Köln Architektur und absolvierte an der FernUni Hagen den Masterstudiengang „Umweltwissenschaften“. Als Architektin war sie im Bereich der Umweltbildung tätig. Seit 2008 arbeitet sie am Wuppertal Institut. Arbeitsschwerpunkte liegen in den Bereichen kommunale Energie- und Klimaschutzpolitik, Gebäudeenergieeffizienz und -suffizienz und nachhaltige Stadtentwicklung.

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23.08.2022: 16.30 – 18:00 Uhr

Eine neue globale Bauhausbewegung für Nachhaltigkeit

Als Walter Gropius „and friends“ nunmehr vor 100 Jahren ihr Bauhaus-Manifest veröffentlichten, konnten sie nicht wissen, wie aktuell ihr Ansatz auch nach einem Jahrhundert noch sein würde. Die großen Probleme der modernen Zeit, wie Klimawandel, Nachhaltigkeit oder auch Konfliktbewältigung, rufen geradezu nach globalen und integrierenden Ansätzen. Dennoch scheinen wir geradezu gefangen in einer komplexen Lebenswelt, welche die Umsetzung von innovativen und zukunftsorientierten Lösungsansätzen zu lähmen scheinen. Dabei war Gropius mit seiner Idee des gemeinsamen Erdenkens und Erschaffens über die Grenzen von Handwerk und akademischer Bildung hinweg, geradezu revolutionär. Das funktionale Design von Gebäuden sowie der damit verbundene Minimalismus ist heute aktueller denn je. Allerdings muss die Bauhausvision von 1919 heute um Dimensionen wie Nachhaltigkeit, Klimaschutz sowie um die Vorstellung einer inklusiven Welt ergänzt werden. Allein die gebaute Infrastruktur in Städten ist heute für ca. 40 Prozent aller Emissionen verantwortlich. Wäre z. B. die Zementindustrie ein Staat, käme sie mit ihren Gesamtemissionen direkt nach China und den USA. Wie lassen sich also städtische Räume nachhaltig und klimaschonend gestalten? Ist es möglich die Stadt zu einer Kohlenstoffsenke zu machen? Lässt sich dies mit einer neuen Ästhetik verbinden? Darum soll es in diesem Beitrag gehen, wobei grundlegende Aspekte des Stadtumbaus und damit verbundener Zielkonflikte auch von einer physikalen Perspektive beleuchtet werden.

Prof. Dr. Jürgen P. Kropp ist Leiter der Arbeitsgruppe „Urbane Transformationen“ und stellvertretender Leiter des Fachgebietes II „Klimaresilienz“ am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) sowie wissenschaftlicher Berater und Miteigentümer der in 2021 gegründeten Bauhaus der Erde gGmbH. Er studierte Chemie und Physik bevor er an der Universität Potsdam im Fach Theoretische Physik promovierte. Sein Schwerpunktthema sind Transformationsherausforderungen und ist z. B. die Frage, wie urbanes Leben mit Klimaschutz- und Nachhaltigkeitszielen vereinbar gemacht werden kann. Im Jahr 2012 wurde er mit dem renommierten CleanTechMedia Award für die Gründung der Climate Media Factory Potsdam ausgezeichnet, einem innovativen Medienlabor, welches fortschrittliche Lern- und Lehrwerkzeuge entwickelt. Jürgen Kropp hatte mehrere Gastprofessuren inne und mehr als 100 Fachpublikationen als Autor oder Koautor veröffentlicht.

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18.10.2022: 16.30 – 18:00 Uhr

Anpassung an den Klimawandel – auf allen Ebenen und mit allen Mitteln

Die nicht mehr aufzuhaltende Erwärmung des Klimas von mindestens 1,5° C führt zu Anpassungsnotwendigkeiten auf allen Ebenen und Feldern der Planung. Es drohen auch in Zukunft Hitzesommer und katastrophale Hochwässer. Dafür müssen auf der kommunalen Ebene, sowie auf der höheren und abstrakteren Ebene Klimavorsorge betrieben werden. Neben der Regionalplanung müssen dabei auch die Landschaftsplanung und der Naturschutz klimaangepasst reformiert werden. Dafür können beispielsweise auch Instrumente wie die Umweltverträglichkeitsprüfung und die Strategische Umweltprüfung angewandt werden. Diese haben laut der aktuellen Fassung des Umweltverträglichkeitprüfungsgesetzes bereits die Aufgabe, sämtliche Projekte und Pläne einerseits hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf den Klimaschutz als auch ihrer Anpassungsfähigkeit auf die zu erwartenden Klimaveränderungen zu untersuchen. Der Vortrag von Prof. Jens Lüdecke erörtert diese rechtlichen Rahmenbedingungen und erörtert weitergehende zu schaffende Möglichkeiten.

Professor Dr. Jens Lüdeke studierte Landschaftsplanung und hat gegenwärtig die Professur für Urbanen Raum und Landschaft an der Berliner Hochschule für Technik inne. Im Vortrag wird er verschiedene Instrumente zur Anpassung an den KIimawandel vorstellen. Zusammengearbeitet hat er bereits mit dem Bundesministerium für Umwelt,  Abteilung KIimaschutz und im Bereich kommunaler Klimaschutz mit der Stadt Offenburg. Zudem ist er langjähriger Dozent in der vhw-Fortbildung.

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29.11.2022: 16.30 – 18:00 Uhr

Die Postwachstumsstadt: Lokalpolitik in der fragmentierten Gesellschaft

Das Konzept der Postwachstumsstadt wird oftmals im Kontext der ökologischen Krise der Gesellschaft, im Zeichen des Klimawandels und der verschwindenden Biodiversität diskutiert. Weitergehende Analysen zeigen allerdings, dass das bisherige Wohlstandsmodell der Stadt insgesamt in Frage gestellt wird und die ökonomischen, sozialen und kulturellen Zuwächse durch eine Fragmentierung der Gesellschaft nicht mehr erfolgen können. In Folge dessen können auch deliberative und rationale Ansätze der Stadtpolitik nicht mehr als gesellschaftspolitisch neutral betrachtet werden, sondern müssen mit Bezug auf die gesellschaftliche Zersplitterung kritisch betrachtet werden. Wenn aber diese, nach wie vor als progressiv betrachteten Formen der politischen Partizipation problematisch geworden sind, wie kann dann noch Lokalpolitik funktionieren? In dem vorgeschlagenen Beitrag soll zunächst die Dekonstruktion der bestehenden Repräsentations- und Teilhabe-Problematik im Rahmen von Postwachstumsprozessen und der gesellschaftlichen Fragmentierung erörtert werden. Anhand von einzelnen Beispielen soll dabei verdeutlicht werden, welche neuen Herausforderungen sich daraus für die Lokalpolitik ergeben und welche Spielräume für eine defragmentierende Stadtpolitik noch verbleiben.

Professor Dr. Frank Eckardt, promovierter Politikwissenschaftler und seit 1999 an der Bauhaus-Universität Weimar tätig - zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter, ab 2002 als Juniorprofessor und seit seiner Habilitation 2009 als Professor für sozialwissenschaftliche Stadtforschung. Außerdem hatte er im Jahr 2007 den Alfred Grosser-Lehrstuhl für Politikwissenschaften am Institut d’études politiques de Paris inne und war 2008/2009 Vertretungsprofessor an der Goethe-Universität Frankfurt (Lehrstuhl Stadtsoziologie). In den letzten Jahren hat sich Frank Eckardt verstärkt mit Themen der Postwachstumsstadt beschäftigt und hierbei vor allem die gesellschaftspolitische Transformation der Gesellschaft in Bezug auf die Stadt untersucht. Hieraus ist u.a. das mitherausgegebene Buch Postwachstumsstadt: Konturen einer solidarischen Stadt (München 2020) entstanden.